Steffen Spitzner, Werner Huthmacher

Augusteum, Lutherstadt Wittenberg

Sanierung und Umbau, I. Bauabschnitt

2017 feiert die Welt das 500. Reformationsjubiläum. Es ist Stadt, Land und Kirche guter Anlass, wichtige städtebauliche Projekte zu verwirklichen, so auch den Umbau und die Sanierung des Augusteums. Damit erhält die Stiftung Luthergedenkstätten endlich den ersehnten Platz für Sonderausstellungen, kulturelle Bildung und museumspädagogische Angebote in unmittelbarer Nähe zum unter UNESCO-Welterbeschutz gestellten Lutherhaus. In diesem ursprünglichen Südflügel des Augustinerklosters hatte Luther über 40 Jahre gelebt, hier befand sich späterhin das eigentliche Collegium Augusteum der landesherrlichen Universität Leucorea. 1581 wurde entlang der Collegienstraße ein Erweiterungsbau samt einem westlichen Gebäudeflügel errichtet, zuletzt war er knapp 200 Jahre Sitz des Evangelischen Predigerseminars. Die größte Herausforderung beim Umbau bestand im Zusammenführen dieser einzelnen Gebäudeteile des Ensembles in einem für die Zukunft tragfähigen Gesamtkonzept, das sowohl denkmalpflegerische Belange als auch die Anforderungen an die zukünftige Nutzung respektiert. Im Ergebnis wuchs die Idee von einem transparenten, langgestreckten Bau im Hof, einer Art „Pergola“, die nun zugleich die Vierseitanlage schließt. Wenig Schwere, viel Leichtigkeit: In einem minimal invasiven Eingriff zwischen Lutherhaus und Augusteum wurde ein gläsernes Erschließungsbauwerk errichtet „mit viel Respekt vor der baulichen Umgebung, die behutsam und neu ergänzt wurde“, attestiert die Jury. Der schlanke Baukörper führt entlang der östlichen, mit Ziegeln ergänzten historischen Hofmauer. Davor hat man schmale sandsteinfarbene Fertigteilstützen als Rahmen für schaufenstergroße Glasflächen gestellt. Sie erlauben einen großartigen Blick hinaus in den lutherischen Gartenhof und von dort einen zurück auf die alte schöne Mauer wie auf ein museales Ausstellungsexponat. Das Augusteum selbst ist in einem ersten Bauabschnitt denkmalgerecht saniert, sind die Sonderausstellungsräume in der Bibliothek und dem Fürstensaal für ihre neue Nutzung konditioniert worden. Die Jury fasst zusammen: „Die komplexen Anforderungen an die anspruchsvolle Sanierung, die mit Tragwerk, Brandschutz, Klimatisierung und Besucherführung befasst war, wurden vorbildlich bewältigt.“

Standort
Collegienstraße 62c, Lutherstadt Wittenberg

Bauherr/in
Stiftung Luthergedenkstätten in Sachsen-Anhalt, Lutherstadt Wittenberg

Architekten
BHBVT Gesellschaft von Architekten mbH Berlin Busmann Haberer Bohl Vennes Tebroke, Berlin

Preise
Architekturpreis des Landes Sachsen-Anhalt 2016, Auszeichnung

Fertigstellung
2015