Jan Bitter, Petra Heise

Besucherzentrum Arche Nebra und Aussichtsturm

Wie ein goldenes Schiff erhebt sich das Besucherzentrum Arche Nebra über dem Tal der Unstrut. Das scheinbar schwebende Gebäude am Fuß des Mittelbergs ist eine Referenz an die Sonnenbarke, ein Element auf der Himmelsscheibe von Nebra, die 1999 von Raubgräbern dem Boden entrissen worden war und sich seit 2002 im Besitz des Landes Sachsen-Anhalt befindet. Gold eloxiert leuchtet die Fassade des großen Metallkörpers aus der Naturlandschaft und bietet je nach Sonneneinfall und Wetterlage ein subtiles Lichtspiel. Der Entwurf von Holzer Kobler Architekturen, Zürich, gelangte nach einem internationalen Architektenwettbewerb 2004 zur Umsetzung, obgleich die Schweizer nur den dritten Platz errungen hatten. Das spricht für die Idee des bereits in Ausstellungsarchitektur erprobten Büros. Nach knapp zweijähriger Bauzeit eröffnete das Besucherzentrum im Juni 2007, Ende des gleichen Jahres zählte man bereits 74.000 Besucher, ein unerwarteter Rekord. Der 60 Meter lange Baukörper beherbergt eine Aufsehen erregende Dauerpräsentation samt Planetarium, ebenfalls aus der Feder von Holzer Kobler. Dabei wird der Blick des Besuchers durch ein riesiges Panoramafenster auf den 100 Meter höher liegenden Mittelberg samt neuem Aussichtsturm gelenkt. 30 Meter hoch ist der aus Sichtbeton gegossene versinnbildlichte Zeiger einer überdimensionalen Sonnenuhr. Ein vertikaler Schnitt durch den Turm markiert die Linie, in der die Sonne zur Sommersonnenwende untergeht. Eine Treppe führt hinauf zur Plattform, die über die Baumkronen hinweg bronzezeitliche Sichtbeziehungen wiederherstellt. Dabei helfen die breiten Betonbänder mit großen Inschriften, die auf dem Bergplateau eingelassen sind. Das Büro club L94 LandschaftsArchitekten aus Köln hatte nach einem Wettbewerb den Auftrag, das Areal rund um den Fundort der Himmelsscheibe behutsam zu gestalten und auf wenige Akzente zu reduzieren. Das ist auch mit der angelegten eisenzeitlichen Ringanlage geglückt, die Turm, Sonnenuhr und letztlich auch das Himmelsauge, eine leicht gekrümmte Scheibe aus poliertem Edelstahl als Ort des Fundes, umschließt.

Standort
An der Steinklöbe 16/ Mittelberg, Nebra, OT Kleinwangen

Bauherr/in
Burgenlandkreis, Naumburg

Architekten
Holzer Kobler Architekturen, Zürich club L94 LandschaftsArchitekten, Köln

Preise
Architekturpreis des Landes Sachsen-Anhalt 2007, Auszeichnung

Fertigstellung
2007