Roland Halbe

Bildungszentrum Bestehornpark, Aschersleben

Erinnerungen können sehr eindrücklich sein. Lange prägte das leer stehende, riesige Gebäude der ehemaligen Bestehornschen Papier- und Kartonagenfabrik, später VEB Optima, das Bild Ascherslebens. Vergebens hatte die Stadt versucht, Nutzungen für den städtebaulich wichtigen Bau zu finden. Auch ein Abriss war im Gespräch. Die IBA Stadtumbau 2010 ließ die Idee eines Bildungszentrums Gestalt annehmen, ein europaweit ausgeschriebener Wettbewerb machte es konkret. Den gewannen im Jahr 2005 die Stuttgarter Architekten Lederer + Ragnarsdóttier + Oei. Ein Glücksfall für die Stadt. Die aufwendige und handwerklich beachtenswerte Sanierung bringt es heute, dass der große denkmalgeschützte Altbau überraschend hell und heiter den Straßenraum bestimmt, ein Umstand, den der lange, kalkgeschlämmte Backsteinbau des rechtwinklig angefügten Flügels gerne weiterträgt. Der scheint in seiner Zweigeschossigkeit die monumentale Größe des ‚Heckner-Riesen‘ in das bemerkenswert landschaftlich gestaltete Areal des Campus – übrigens integraler Bestandteil der zeitgleich zur IBA ausgerichteten Landesgartenschau – hineinzuziehen und so für den Betrachter gefälliger zu machen. Die Dachlandschaft des Ergänzungsbaus lässt an Sheds von Industriebauten denken. Hingucker am Giebel ist die vertikale Reihe der geschwungenen ‚lächelnden‘ Balkons. Die früher düsteren Fabriketagen, wo heute Sekundar- und Berufsschüler gemeinsam lernen, haben die Architekten für ein helles, leicht nüchternes Atrium geöffnet, das Licht in Flure und einen neu geschaffenen Eingangsbereich fluten lässt. Ein Band dunkelblau glasierter Fliesen verläuft entlang der Galerieflure, im Foyer überziehen sie zudem lange Wandbänke. Es sind die klaren Linien, diese Reduktion auf das Wesentliche, die Parallelen zu skandinavischen Vorbildern erkennen lassen. Das ‚bezwingende Architekturkonzept‘ und das untrügliche ‚Gespür für Bildungsbauten, für pädagogische Anforderungen und Konzepte sowie für die Bedürfnisse von Schülerinnen und Schülern‘ gaben den Ausschlag für eine Engere Wahl zum Architekturpreis des Landes Sachsen-Anhalt 2010.

Standort
Wilhelmstraße 31, Aschersleben

Bauherr/in
Stadt Aschersleben, Aschersleben

Architekten
Lederer + Ragnarsdóttir + Oei, Stuttgart

Preise
Architekturpreis des Landes Sachsen-Anhalt 2010, Engere Wahl

Fertigstellung
2010