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Charles-Tanford-Proteinzentrum, Halle (Saale)

In Halle agiert mit dem seit 1990 kontinuierlich erweiterten „Technologiepark Weinbergcampus“ der größte Wissenschafts- und Technologiepark Mitteldeutschlands. Hochgradig vernetzte Spitzenforschung pflegt hier Heimat und Kontakt. Und wächst. Gefördert von Bund und Land konnte im Ergebnis eines interdisziplinären Wettbewerbs 2017 das Charles-Tanford-Proteinzentrum eingeweiht werden. Es ist ein weiterer Forschungsnukleus der Martin-Luther-Universität Halle- Wittenberg, der nunmehr Arbeitsgruppen der Studiengänge Biologie, Biochemie, Pharmazie und Medizin unter einem Dach vereint. Diese Botschaft vermittelt auch das neue Haus in städtebaulich anspruchsvollem Kontext. Geradlinig, ja geradezu zielstrebig hat man zwei dreigeschossige Gebäuderiegel gegeneinander versetzt angeordnet, die in einem kleinen Mittelbau miteinander verschmelzen. Dort teilen sich die Labore in der einen und die Büros in der anderen Haushälfte Treppenhaus, Aufzüge – und Raum. Denn die unmittelbare und barrierefreie Begegnung ist genauso Konzept wie Flexibilität.

Bei sich wandelnden Anforderungen kann je nach Bedarf reagiert, Platz des anderen für wachsende Forschungsbereiche belegt und der Arbeitsablauf optimiert werden. Spacig oder futuristisch, modern oder avantgardistisch: Skulptural wollen die Architekten ihr Haus in jedem Fall verstanden wissen. Der Eindruck wird durchsilber-weiße, horizontal verlaufende Aluminiumlamellen verstärkt, welche die direkte Sonneneinstrahlung in den Laborriegel zu vermeiden suchen. Der Büroriegel hingegen ist mit in Bändern verlegten Glattblechpaneelen mit integriertem Sonnen- und Blendschutz verkleidet. Im gemeinsamen Foyertrakt entwickelt sich indes über die ganze Gebäudehöhe eine gläserne, das Licht einlassende Pfosten-Riegel-Fassade empor. Topografisch spannend sind die beiden in das vorgefundene Terrain eingepassten Vorplätze angelegt. Auf einem dieser Plätze hat der Künstler Timm Kregel „Tanfords Garten“ geschaffen. Übermannshohe, mit ihren Wipfeln wie Trichter sich zum Himmel öffnende Bäume erinnern an den jüdischen Namensgeber des Hauses: den in Halle geborenen Karl Tannenbaum, der 1929 in die USA emigrierte und dort als Charles Tanford zum „Pionier der Proteinforschung“ mit Weltruf gelangte.

Standort
Kurt-Mothes-Straße 3, Halle (Saale)

Bauherr/in
Landesbetrieb Bau- und Liegenschaftsmanagement Sachsen-Anhalt (BLSA), Magdeburg

Architekten
HENN GmbH, Berlin

Preise
Architekturpreis des Landes Sachsen-Anhalt 2019, Engere Wahl

Fertigstellung
2017