Christian Gahl

Domschatz Halberstadt

Es ist das Wunder eines Schatzes. Gegen alle Kriege, gegen alle Zeiten verblieb in Halberstadt ein unschätzbar schönes, vom Rang der Einzelstücke gewiss einmaliges Ensemble aus Teppichen, Gewändern, Altären, liturgischem Gerät und wertvollen Reliquien beieinander. Es ist die größte Sammlung mittelalterlicher Kunst, die sich in Deutschland in einer Kirche erhalten hat. Ein einfacher langgestreckter Kubus aus hellgrau glattem Kalkstein bildet heute an der südwestlichen Kreuzgangecke den neuen Eingang zur Domschatzpräsentation. Mit einer eleganten Glasfuge wurde er klar vom alten Mauerwerk abgegrenzt. Der schlichte, respektvoll gegenüber dem Dom zurückgenommene Neubau birgt sowohl die Depots, Restauratoren- und Büroarbeitsplätze als auch den Empfang mit kleinem Museumsladen. Von Licht durchflutet ist die kleine Eingangshalle, ihr Dach wurde mit Glas gedeckt. So bleibt der Blick hinauf zu den Domtürmen frei und unverstellt. Der Kreuzgang ist das alles verknüpfende Element. Er verbindet, als Wandelgang gestaltet, die Ausstellungsräume mit dem Neubau. Thematisch hat man die Exponate in Einzelräumen des Klausurgebäudes ausgestellt: die weltweit ältesten Wirkteppiche etwa oder auch die kostbaren liturgischen Gewänder. In der eigentlichen Schatzkammer finden sich die Meisterwerke der Gold- und Silberschmiedekunst, Originale römischen, byzantinischen und arabischen Ursprungs und die einzigartigen Reliquien. Überall, wo es die Konservatoren für notwendig erachteten, sind die Ausstellungsräume in ein mystisch, fast dunkles Dämmerlicht getaucht. Es sind wenige und doch äußerst wirkungsvolle Elemente, die diese Atmosphäre ermöglichen. Sie schaffen eine Vertrautheit, die man in überlaufenen Ausstellungshallen selten spürt. Mit dem zurückhaltenden, modernen Neubau am altehrwürdigen Dom und der einzigartigen Neupräsentation seiner Kostbarkeiten ist in Halberstadt etwas Seltenes gelungen: Die Wiederentdeckung eines beständigen, hoch wertvollen Schatzes. Man hat ihn in ein neues bezauberndes Licht getaucht.

Standort
Domplatz 18, Halberstadt

Bauherr/in
Stiftung Dome und Schlösser in Sachsen-Anhalt, Leitzkau

Architekten
Helge Sypereck Planungs GmbH, Dipl.-Ing. H. Sypereck Architekt, Berlin

Preise
Architekturpreis des Landes Sachsen-Anhalt 2010, Engere Wahl

Fertigstellung
2008