Steffen Spitzner

Dr. Frank Gymnasium, Mensa, Staßfurt

Neubau einer Mensa

Der Neubau einer Mensa komplettiert das Gelände des Dr. Frank Gymnasiums in Staßfurt. Das ist gut. Das Projekt wurde als eines der Modellvorhaben des Landes Sachsen-Anhalt im Rahmen des aufgelegten Förderprogramms STARK III „Investition in Bildung“ realisiert. Das ist bemerkenswert. Es wurde aber derart qualitätsvoll, energetisch sinnvoll und intelligent umgesetzt, dass die Jury nicht umhinkam, das Haus für die „Engere Wahl“ zu nominieren. „Kraftwerk macht Schule“ – unter diesem Titel hatte der Salzlandkreis die EU-Förderung beantragt. Ziel war von Anbeginn, die Mensa in Passivhaus-Standard zu bauen. Deren „ganzheitliches, integratives Energiekonzept“ sah jedoch darüber hinaus vor, in der Folge nahezu alle Schulgebäude auf dem Areal mit Energie versorgen zu können, und das in einer Form, die sich für alle rund 1.000 Schülerinnen und Schüler tagtäglich nachvollziehbar erklärt. Heute steht an der Westseite des teilweise unter Denkmalschutz stehenden Schulkomplexes ein eingeschossiges barrierefreies Glashaus. Ein Pausenhof, in genialer Leichtigkeit als Sportfläche gestaltet, ist seine vorgelagerte Bühne, die eine diagonal verlaufende Tartanbahn keck durchkreuzt. Die Freifläche bezieht sich symbiotisch auf das Gebäude, die Landschaftsgestaltung wurde mit der Nominierung in besonderer Weise gewürdigt. Wie auf einem Tablett wird hier der Flachbau in Holztafel- bzw. Holzständerbauweise präsentiert, dessen weit auskragendes Dach „tanzende“ Stützen tragen. Der komfortable Überstand beschirmt nicht nur einen umlaufenden Wandelgang und formt die Anmutung des Pavillons als „Freiraumlounge“, sondern versteht sich zugleich als sommerlicher Sonnenschutz. Der eigentliche Clou aber findet sich im Innern. Hinter Glas ist die Energiezentrale „wie ein wertvolles Artefakt ausgestellt“. (Fast) alle Bauteile des Energieversorgungssystems aus Blockheizkraftwerk samt Wärmepumpenanlage hat man hier versammelt. Wie viel Energie erzeugt und während des Schulbetriebs verbraucht oder eingespart wurde, wird – in verstehbare Zahlen und Diagramme übersetzt – auf Monitoren zum Pausenbrot serviert. „Pädagogisch wertvoll“, so das Votum der Jury, ist die derart baulich umgesetzte „Erzählstrategie Energie“.

Standort
Stadtbadstraße 3, Staßfurt

Bauherr/in
Salzlandkreis, Aschersleben

Architekten
Hyder Consulting GmbH Deutschland, Halle (Saale), mit PLANTRAUM FREIRAUMARCHITEKTEN, Halle (Saale)

Preise
Architekturpreis des Landes Sachsen-Anhalt 2016, Engere Wahl

Fertigstellung
2015