Heckel-Lohrer, H-W-Kunze

Elbauenpark

Mit der Konversion des Cracauer Angers, der seit dem 17. Jahrhundert bis zum Abzug der sowjetischen Armee 1991 militärisch genutzt war, entstand im Rahmen der 1999 in Magdeburg veranstalteten Bundesgartenschau derElbauenpark. Zwischen der Innenstadt und dem historischen Herrenkrugpark (1818) am östlichen Elbufer gelegen, umfasst er ein Gelände von insgesamt 360 Hektar, von denen 100 intensiv beplant wurden.Bei der Gestaltung dieses lange Zeit für die Stadtbewohner nicht begehbaren, umzäunten Areals wurde vor allem versucht, die Spuren der Geschichte des Ortes in neue landschaftsarchitektonische Situationen zu überführen. Am Eingang zum Elbauenpark befinden sich die ehemaligen Wehrmachtskasernen- und Garagen von Heinrich Tessenow, die im Zuge der zivilen Umwidmung des Geländes saniert wurden und derzeit von der Stadtverwaltung genutzt werden. Gemeinsam mit den sich daran anschließenden neuen Messehallen und dem Erlebnisbad sollen sie den Cracauer Anger mit der Stadtlandschaft verknüpfen.Das BUGA-Gelände wird von der Herrenkrugstrasse in den Großen und Kleinen Cracauer Anger geteilt, die über einen Steg miteinander verbunden sind und entsprechend ihrer unterschiedlichen landschaftlichen Situation gestaltet wurden.Der nach dem Zweiten Weltkrieg im Kleinen Cracauer Anger an der Alten Elbe verfüllte Trümmerschutt, der das gesamte Gelände einst um fünf Meter erhöhte, wurde für den Angersee und die Wiesenmulde abgetragen, um das ursprüngliche Auenniveau wieder ablesbar zu machen. Mit einem Grossteil dieser Aushubmasse wurde eine stillgelegte, rekultivierte Mülldeponie auf dem Großen Anger gesichert, die im Sommer als Rodelbahn genutzt wird.Nordwestlich dieser Landmarke befinden sich zahlreiche Themengärten und die ehemaligen Schießwälle. Aus den bis zu 500 m langen und sieben Meter breiten Korridoren mit altem Baumbestand wurde ein ‚Labyrinth‘ entwickelt. Seine Wege führen zu unterschiedlich gestalteten, mit Cortenstahl verkleideten Wällen, von denen einer mit Wasser gefüllt ist und zwei mit einer Klanginstallation von Robin Minard versehen wurden.In diesem ruhigen Bereich des Parkes, fernab der augenfälligen Sensationen wie dem Jahrtausendturm und der Hochbahn, ist das eigentliche Gestaltungspotential, das in der abstrakten Variation des Vorhandenen besteht, am deutlichsten spürbar.Wenngleich man über die Vielzahl der landschaftsarchitektonischen Eingriffe im einzelnen verschiedener Meinung sein kann, ist das Ansinnen des Projektes, einen ehemals ‚verlorenen Ort‘ der Stadt in einen öffentlichen Bürgerpark umzuwidmen, begrüßenswert.

Standort
Tessenowstraße 5, Magdeburg

Bauherr/in
Bundesgartenschau Magdeburg 1999 GmbH

Architekten
Ernst . Heckel . Lohrer Landschaftsarchitekten BDLA, Magdeburg mit Michael R. Schwarz und Christoph Mancke

Preise
Deutscher Landschaftsarchitekturpreis 1999 (Würdigung), Architekturpreis des Landes Sachsen-Anhalt 2001, Anerkennung

Fertigstellung
1999