Hans-Joachim Krumnow

Fraunhofer Institut für Werkstoffmechanik, Halle (Saale)

Egal, was der Besucher in diesem Haus erwartet: einen Hai und eine attraktive Taucherin jedenfalls nicht. Ein wandgroßes, gleichmäßig rückwärtig belichtetes Stoffband zeigt dieses spannungsgeladene Motiv im Foyer des Neubaus des Fraunhofer Instituts in Halle und steht mit seiner außergewöhnlichen Idee für die aufregenden wissenschaftlichen Prozesse zwischen Fortschritt und Risiko, die man hier hinterleuchtet und erprobt. Der helle Neubau verteilt sich auf zwei Baukörper, ein viergeschossiges Büro- und Laborgebäude sowie eine Technikumshalle mit Verarbeitungs- und Prüfaufgaben. Sie bilden gemeinsam einen Winkel mit halbseitig gefasstem Vorplatz. Horizontale große Fensterflächen im Erdgeschoss öffnen beide Häuser sowohl zum Weinbergcampus als auch zur Institutsschwester in der Heideallee und erlauben öffentliche Anteilnahme am wissenschaftlichen Geschehen. Besonders eindrucksvoll ist der Blick von der Eingangshalle wieder hinaus auf den rückwärtigen, südlich gelegenen grünen Landschaftsraum mit Teich und Wiesen. So entsteht der Eindruck, durch das Gebäude ungehindert hindurch sehen zu können. Der zentrale Aufenthaltsraum mit anschließender Terrasse sowie Büros im Erdgeschoss profitieren ebenfalls von der schönen Aussicht. In die schiebt sich rückwärtig der Seminarraum ein Stück weit aus dem Baukörper an die Hangkante zum Wasser. Ein glasgedecktes Atrium mit Himmelsleiter, einer hohen, weißen Treppe, ist das kommunikative Herz und Bindeglied im Büro- und Laborgebäude. Alle hier angelegten Flure und Zonen ermöglichen einen intensiven Austausch miteinander und stehen in engem funktionalen Zusammenhang. Eine gläserne Brücke übernimmt die Funktion einer versinnbildlichten Klammer zweier Arbeitswelten hinüber zum Technikgebäude. Dabei eröffnet sich ein Blick auf den internen Hofbereich zwischen beiden Baukörpern auf die begrünten Aufenthaltsbereiche, die so genannten Denkzellen, weitab von Hai und Mädchen. Die expressive Rankhilfe der Giebelseite gehört zum landschaftsplanerischen Gesamtkonzept und versinnbildlicht die Strukturvielfalt der neuen Forschungseinrichtung.

Standort
Walter-Hülse-Straße 1, Halle (Saale)

Bauherr/in
Fraunhofer Gesellschaft zur Förderung der angewandten Forschung, München

Architekten
Beeg-Geiselbrecht-Lemke Architekten GmbH, München, mit DÄRR LANDSCHAFTSARCHITEKTEN bdla, Halle (Saale)

Preise
Architekturpreis des Landes Sachsen-Anhalt 2007, Engere Wahl

Fertigstellung
2007

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