Hans-Wulf Kunze

Interkultureller Generationenpark, Dessau-Roßlau

Stadtpark

Palaisgarten, Stadtgarten, Stadtpark das ist der Dreiklang einer Entwicklung im Zentrum Dessaus, dem heute ein neues, viertes Kapitel Interkultureller Generationenpark folgt. Leopold I. baute dereinst zwei prachtvolle Palais samt ihrer schönen Gärten, die ließ der aufgeklärte Fürst Franz in die Weite wachsen. Doch erst 1927 wurden sie öffentlich und damit bürgerlicher Stadtgarten bis 1945, als die Rüstungsstadt Dessau ihr über Jahrhunderte gewachsenes Stadtbild auf immer verlor. Aus dem zerstörten Garten wurde ab 1950 ein Stadtpark ein beliebter Treffpunkt, keine Frage, dem es jedoch im Laufe der folgenden Jahrzehnte vor allem an zwei Dingen mangelte: an Konzept und an Pflege. Als 2001 durch Rechtsradikale der Mosambikaner Alberto Adriano im Dessauer Stadtpark zu Tode kam, stellte sich neben Empörung und Entsetzen schließlich auch die Frage nach der Sicherheit ein. Heute ist die Umgestaltung zu einem Interkulturellen Generationenpark geglückt, wertete die Jury im Architekturpreisverfahren. Die Arbeit reagiert angemessen auf den demografischen Wandel, bietet heute angenehme Aufenthalts- und Verweilqualitäten und sorgt darüber hinaus für eine Stabilisierung der in direkter Nachbarschaft befindlichen Wohnquartiere. In einem in den IBA-Prozess eingebetteten breiten Bürgerbeteiligungsverfahren mit Parkwerkstätten und einem kleinen Wettbewerb folgte die Wandlung des etwa acht Hektar großen Areals einem Masterplan in drei Bauabschnitten. Unter einem Generationen wie Kulturen verbindenden Ansatz war es dabei Ziel, einen offenen, flexiblen, einladenden wie strapazierfähigen Rahmen zu schaffen, der der individuellen Aneignung und so dem Spontanen und sich Wandelnden ausreichenden inspirierenden Raum schafft. Dazu wurde der Park entleert und aufgeräumt, beherzt ausgelichtet und wertvoller Baumbestand freigestellt, unübersichtliche Bereiche vermieden und ein neues, den Park mit der Stadt besser verbindendes Wegesystem gestaltet. Der Wechsel von offenen Fugen und kompakten Clumps strukturieren ihn heute, der mehr denn je ein Park von und für seine Bürger ist und damit an die vornehmsten Traditionen Dessaus knüpft: auf das Gute im Menschen zu vertrauen und stets das Schöne mit dem Nützlichen zu verbinden.

Standort
Willy-Lohmann-Straße, Dessau-Roßlau

Bauherr/in
Stadt Dessau-Roßlau, Dessau-Roßlau

Architekten
lohrer . hochrein landschaftsarchitekten bdla, Magdeburg/München

Preise
Architekturpreis des Landes Sachsen-Anhalt 2013, Engere Wahl

Fertigstellung
2010