André Zeischold

Kirche St. Georg Cösitz, Innenraumgestaltung

Die Ausgangslage war trist. Loser, schadhafter Putz, Bauwerksrisse, Versalzungen und Durchfeuchtungen im Sockel- und Deckenbereich, Farbabplatzungen und Farbveränderungen an Decken- und Wandflächen – ein kalter Kircheninnenraum, gealtert in nüchternem Weiß. Über alle Jahrhunderte hinweg war immer wieder am Gotteshaus weiter- und angebaut, repariert und auch instandgesetzt worden, was als Ausdruck eines lebendigen Gemeindelebens bis in die Gegenwart gelesen werden kann. Der Entwurf für die neue Fassung folgte einer Gestaltungsidee, die den gesamten Raum in den Fokus nahm und dem Denkbild gläubiger Christen entspricht: „Das Durchschreiten der Kirche vom Eingang im Westen hin nach Osten zum Licht des Altars symbolisiert den Weg der Christen zu Gott.“ Diese „Wegstrecke“ aber bezog nun die Kirchendecke bewusst in die Gedankenwelt mit ein und sollte den Blick nicht mehr allein nach vorn lenken, sondern auch nach oben „zum Himmel und zu Gott“. Die vormals flache, niedrig und erdrückend wirkende Deckenfläche zeigt heute ein kleines, großes Kunstwerk aus mosaikartig aneinandergebauten Quadern.

Gemeinsam formen diese aus der Decke wachsenden, kurzen „Stalaktiten“ ein Kreuz, das den Besucher auf seinem Weg durch das Gotteshaus leitet, begleitet und zu behüten scheint. Magisch wird der Blick zu der erstaunlich lebendig wirkenden Plastik nach oben gezogen, wandert mit, um sich schließlich am Marienaltar zu finden. Die weitestgehend monochrome, neue Innenraumfarbe in einem warmen Grauton hat die Wirkung der Achse im Raum wohltuend verstärkt und bringt die bestehenden Elemente in schönster Harmonie zur Geltung: das alte Holzmobiliar, aber auch die im Rahmen des von der Evangelischen Landeskirche Anhalts getragenen Projektes „Lichtungen“ neu geschaffenen, farbigen Chorfenster der halleschen Künstlerin Annegrete Riebesel. Cösitz steht stellvertretend für eine ganze Reihe kleiner Kirchen, die typisch für Anhalts Region und nicht selten letzte kulturelle Orte dörflicher Gemeinschaft sind. Umso wichtiger ist ihr Erhalt und ihr Weiterbau im Heute.

Das gelungene Vorhaben zeugt vom tiefen Verständnis für den Geist des Ortes, mit dem es der Kirchengemeinde und ihren Architekten gelang, „Historisches zu erhalten, Neues behutsam einzufügen und den Zeitgeist moderner Architektursprache spürbar werden zu lassen“.

Standort
Parkallee, Zörbig, OT Cösitz

Bauherr/in
Evangelische Kirchengemeinde Cösitz, Zörbig, OT Cösitz

Architekten
DS Architects, Köthen (Anhalt)

Preise
Architekturpreis des Landes Sachsen-Anhalt 2019, Publikumspreis

Fertigstellung
2017