Steffen Spitzner, Hans-Wulf Kunze, Axel Lohrer

Kirchplatz St. Marien, Freyburg (Unstrut)

Freyburg – das ist das Zentrum des Weinanbaus der Saale-Unstrut-Region, ist Herz des „Landes aus Wein und Stein“ und wirkt als starker Touristenmagnet im Süden Sachsen-Anhalts. Die im Ursprung spätromanische, hier im 13. Jahrhundert in enger Anlehnung an
den zeitgleich erbauten Neubau des Naumburger Doms errichtete Basilika St. Marien gehört nicht allein zum ältesten Erbe der Unstrutstadt, sie ist mit ihren weithin sichtbaren Türmen auch deren unverwechselbare Visitenkarte. Zwischen historischem Stadteingang und Rathaus mit dem bereits umgestalteten Marktplatz gelegen, fungiert die alte Kirche und der sie umgebende Platz als tradierter Ausgangs- und Endpunkt aller Stadtrundgänge. Hier lauscht, plauscht und trifft man sich, auch zum jährlichen Weinfest – ein Spektakel mit Strahlkraft weit über Region und Land hinaus. Schon lange war die Situation rund um die Kirche ungeordnet. Die freien Flächen wurden vorwiegend zum Parken und wenig zum Aufenthalt genutzt. Ziel eines vorab unter Landschaftsarchitekten ausgelobten Wettbewerbs war es, dem Ort seine angemessene Würde und eine für alle sinnstiftende Nutzbarkeit zu geben, dazu Barrierefreiheit – und endlich: Platz fürs Fest.

Diesem Anspruch wurde vor allem der nun umgesetzte 1. Preis gerecht. Ein zurückhaltender, in Passe verlegter, grob gefugter Pflasterspiegel aus Granit-Kalkstein rahmt jetzt den altehrwürdigen Bau. Der neue Belag der Kirchstraße aus gelbem Kleinstein-Natursteinpflaster wurde indes wie in den anderen Straßen in Bögen verlegt. Er entwickelt sich unaufdringlich auf das Gotteshaus zu. Hier verzahnt er sich mit einer großzügig angelegten Freitreppe, die hinauf zum Haupteingang führt und deren Stufen der Topografie folgend im Platz aufgehen. Von der Schützenstraße aus bieten Rampen barrierefreien Zugang auf das Terrain. Im lauschigen hinteren Bereich ist ein großer Solitärbaum gepflanzt. Ihn verstehen die Architekten als Pendant zu den imposanten Kirchtürmen. Dem benachbarten Amtshaus folgen kleinere Bäume in Reihe, dazwischen laden Bänke zum Innehalten und Verschnaufen ein. Und das fast ohne Autolärm. Denn der gesamte Bereich konnte als verkehrsberuhigter Geschäftsbereich ausgewiesen werden. Geht doch!

Standort
Kirchstraße 7, Freyburg (Unstrut)

Bauherr/in
Stadt Freyburg (Unstrut), Freyburg (Unstrut)

Architekten
lohrer.hochrein landschaftsarchitekten und stadtplaner gmbh, München und Magdeburg

Preise
Architekturpreis des Landes Sachsen-Anhalt 2019, Engere Wahl

Fertigstellung
2016