Christian Hartwig, Steffen Spitzner

Kloster St. Annen, Umbau und Erweiterung, Lutherstadt Eisleben

Eislebens Neustadt geht auf eine Gründung 1511 durch Graf Albrecht VII. von Mansfeld-Hinterort zurück. Berg und Hüttenleute zogen damals in das Glück und Wohlstand verheißende Kupferschiefer-Land. So trug ihre um 1516 geweihte Kirche naheliegend den Namen der Bergbauheiligen Anna. Ein – nie vollendetes – Kloster der Augustiner-Eremiten gesellte sich dazu. Gemeinsam mit dem Pfarrhaus entstand so ein stimmiges Ensemble am Annenkirchplatz. Martin Luther war seinerzeit als Distriktsvikar seines Ordens zur Kirchweihe geladen und soll in einer der Mönchszellen genächtigt haben. Es grenzte an eine archäologische Sensation, als man diese 2008 im ehemaligen Klostergebäude „wiederentdeckte“. St. Annen gilt seither als eine der wenigen authentischen, unverfälscht überkommenen Lutherstätten in Sachsen-Anhalt und Deutschland.

Dieses große Erbe war gleichermaßen Verantwortung und Verpflichtung für die engagierte Kirchengemeinde als Bauherrin. Das frühere, stark desolate und völlig verbaute Klausurgebäude des Klosters stand im Mittelpunkt der Überlegungen für die Rettung und zukünftige Nutzung der historischen Räume. Jedoch nicht als weitere Luthergedenkstätte, sondern mit multifunktionalem Ansatz: für starkes Gemeindeleben und sanften Tourismus. Im Ergebnis sind im Erdgeschoss die später eingefügten Zwischenwände entfernt und die originalen Arkaden des früheren Kreuzgangs für eine großzügige Öffnung zum Hof freigelegt worden. Verborgene Teile des Klosters sind wieder sichtbar, moderne Einbauten ablesbar eingefügt. Im Obergeschoss stehen die rekonstruierten Räume für Begegnung und Ausstellung zur Verfügung, ein neuer Zugang zu den historischen, 500 Jahre Geschichte atmenden Mönchszellen inklusive. Für alle Anforderungen, die die neue Zeit an Haustechnik und Sanitäreinrichtungen stellt, wurde ein in den hofseitigen Hang „eingeschobener“ Funktionsneubau erdacht. Der in Reminiszenz an die Bergbautradition der Region mit Kupfer verkleidete Bau strukturiert den Innenhof, schafft eine spannende Wegebeziehung zum höher gelegenen Pfarrgarten – und zur Freifläche auf dem neuen Flachbau. Gemeinsam bilden Saal, Hof und Neubau heute die bespielbare neue „Bühne“ für eine gelungene Verbindung von Zeit und Raum.

Standort
Annenkirchplatz 3, Lutherstadt Eisleben

Bauherr/in
Evangelische Kirchengemeinde St. Annen im Gemeindekirchenverband Lutherstadt Eisleben, Lutherstadt Eisleben

Architekten
Architektur- und Ingenieurbüro Dipl.-Ing. Jörg Kowalski, Halle (Saale)

Preise
Architekturpreis des Landes Sachsen-Anhalt 2019, Engere Wahl

Fertigstellung
2018