Hans-Wulf Kunze

Kloster Unser Lieben Frauen, Umgestaltung Westflügel, Magdeburg

17 Spiegel spiegeln eine Stadt. Sie reflektieren, vervielfältigen Architektur, Häuser, ihre Umgebung, setzen zusammen, was Wirklichkeit nicht zulässt, spannen Gedankenbögen, lassen staunen. Die Fassadeninstallation der Brüder Tim und Jan Edler, realities:united, mag als wohl sichtbarstes äußeres Zeichen für den Start des Hauses in eine neue Zeit gelten, das nun mitspielen kann auf dem Niveau dessen, was es in seinem Innern bewahrt und zeigt: Kunst der Gegenwart. Schon fast vier Jahrzehnte leihen die alten Mauern des Klosters Unser Lieben Frauen dem Museum Raum. Das älteste Bauwerk der Stadt, im Ursprung aus ottonischer Zeit und ab 1126 unter Nobert von Xanten als jener hochromanische Bau mit den beiden runden spitzen Türmen vollendet, überdauerte Kriege, Feuer und Nöte, hielt wechselnden Inbesitznahmen weitab von Hingabe und Glaube stand und erlebte schließlich eine neue Blüte: als kultureller Ort. Bereits seit 1974 beherbergte es die Nationale Sammlung Kleinplastik der DDR. Die Spannung, die sich aus dieser einmaligen Konstellation zwischen dem weithin erhaltenen Baukörper mit Ergänzungen des 19. Jahrhunderts, aber auch der Nachkriegsmoderne und der Kunst der Gegenwart im Museum ergibt war der Ausgangspunkt, von dem aus die Architekten den Westflügel des Klosters äußerst behutsam und mit Feingefühl sanierten und ergänzten: um ein neues südwestliches Treppenhaus, einen Ausstellungsbereich für Medienkunst im Dachgeschoss, Bauteile im Hauptgeschoss mit dem großen Saal, das Foyer mit dem Treppenaufgang, ein Café im ehemaligen Sommerrefektorium und schließlich einen modernen Eingangsbereich mit Shop, Garderobe und Toilettenanlage und das unter Berücksichtigung zeitgemäßen Brandschutzes, moderner Gebäudetechnik, energetischer Optimierung und durchgehender Barrierefreiheit. Die Architekten haben so, urteilte die Jury, den Spagat zwischen dem bedeutenden Architekturdenkmal und den Anforderungen an ein modernes Kunstmuseum hervorragend bewältigt und einen höchst reizvollen Spannungsbogen zwischen Romanik und Gegenwart erzeugt, der fast alle Formen Bildender Kunst nicht nur zulässt, sondern in einer unverwechselbaren Ästhetik zum Ausdruck bringen kann. Bauen im Bestand par excellence.

Standort
Regierungsstraße 4-6, Magdeburg

Bauherr/in
Landeshauptstadt Magdeburg, Magdeburg

Architekten
Hartkopf . Rüger . Architekten, Halle (Saale)

Preise
Architekturpreis des Landes Sachsen-Anhalt 2013, Engere Wahl

Fertigstellung
2011