Steffen Spitzner

Kultur- und Begegnungszentrum, Thale

Am Ende war es eine Heimkehr. In Thale ist im Februar 2020 die evangelische Kirchengemeinde St. Petri mit einem neuen Gemeindehaus zu ihrer Pfarrkirche gezogen. Unmittelbar am und in das 1906 im Stil der Neoromanik erbaute Gotteshaus hinein ist ein moderner Anbau errichtet worden, in dem im klugen Zusammengehen von Alt und Neu ein überraschend großes Raumprogramm – ein unterteilbarer kleiner Saal, zwei Büros, eine Teeküche, die Sanitäranlagen und ein Stuhllager – untergebracht werden konnte.

Die seit 1917 als Pfarr- und Gemeindehaus genutzte Villa war 1840 ursprünglich als „Beamten-Casino“ des Eisenhüttenwerkes im heutigen Friedenspark nahe der St.-Petri-Kirche erbaut worden. Die zu erwartenden finanziellen Aufwendungen für die dringend notwendige Sanierung und die künftigen Instandhaltungs- und Betriebskosten ließen die Gemeinde den Entschluss zum Verkauf des alten und dem Bau eines neuen Hauses fassen. Dabei ging es von Anbeginn um die Nähe zum alten Kirchenbau, die konsequente Einbindung des wertvollen Baubestands und die Schaffung multifunktional nutzbarer Räume für Begegnung und Kultur in der von Besuchern stark frequentierten Harzstadt.

Der eingeschossige leichte, in Holzrahmenbauweise angebaute Pavillon mit Flachdach zeigt eine amorphe Form und zeichnet im historisch angelegten und gewachsenen Eingangsbereich eine einladende Geste nach. Chamäleonartig will dabei die graubraune, im Zuschnitt variierende Plattenverkleidung zwischen den gealterten Sandstein der Kirche und der umgebenden Parklandschaft vermitteln. Diese Zurückhaltung wird durch eine fast schwebende Wirkung zum Park hin verstärkt, auf dieser Seite ist die Bodenplatte höher. So wird im Kircheninnenraum an der Nahtstelle zwischen Alt und Neu ein barrierefreier Übergang gewährleistet. Hier ist die Öffnung, hier wurde die Südwand des östlichen Querschiffarms durchbrochen. Osmotisch und sanft dringt das Neue in den Altbestand, wird zur Winterkirche und zu vielfältig nutzbaren Räumen. Durch bodentiefe Glas- und Fensterflächen ergeben sich neue, atemberaubend schöne Blickachsen: nach innen auf Kanzel, Chor und Empore, nach außen auf Parkgrün und Stadt.

Standort
Hubertusstraße 2, Thale

Bauherr/in
Ev. Kirchengemeinde „St. Petri“ im Ev. Kirchspiel Thale, Thale

Architekten
Planungsring Architekten + Ingenieure GmbH, Wernigerode

Fertigstellung
2019