Jens Passoth

Kulturstiftung des Bundes, Halle (Saale)

Ein weißes Haus am weiten Platz. Die Kulturstiftung des Bundes hat sich ein eigenes, neues Domizil gebaut. Es öffnete im Oktober 2012 unmittelbar vor den Toren der über 300 Jahre alten Franckeschen Stiftungen, einem Ensemble von heute mehr als 40 Kultur- und Bildungseinrichtungen. In einem Realisierungswettbewerb im Jahr 2009 entschied man sich für den Entwurf der Münchner Architekten Veronika Dannheimer und Tilman Joos, der in seiner Zeitgenossenschaft authentisch und konsequenter als jeder andere im Wettbewerb die anspruchsvolle Aufgabe löste, die Ziele des prominenten Bauherrn nationale und internationale innovative Kulturprojekte zu initiieren und zu fördern mit zeitgemäßer Baukultur und einer energieeffizienten, nachhaltigen Technologie zu verbinden. Im Spagat zwischen Zeichenhaftigkeit und Anpassung wagten die Architekten die Idee von einem Haus, das die Häuserzeile nicht nahtlos schließt, sondern als freigestellten Bau ergänzt. Eigenständig und selbstbewusst rückt er so als fügsamer Solitär in die offene Lücke der Straße, zollt den abstandsgebietenden Respekt zu seinen Nachbarn, übt jedoch nicht die durchaus und allgemein erwünschte Anlehnung. Ein im Sonnenlicht weiß-flirrend helles Gittergewand fließt über die Schauseite. Es ist das auffälligste Attribut des Gebäudes, es kleidet, schützt und schmückt derart das rundherum gläserne Haus. Je nach Blickwinkel erscheint es so geschlossen oder durchscheinend offen wie eine Lichtskulptur und gewährt insbesondere am Abend beste Einblicke in das Arbeitsgeschehen der Stiftung. Seine zwei Giebel und die Rückseite indes geben stete Ein- und den 40 Mitarbeitern darüber hinaus gute Ausblicke auf ein in Jahrhunderten gewachsenes Gebäudegefüge mit ablesbarer Bautradition. Als Hommage und gelungene Transformation des Alten in das Heute sind das abgeschrägte Dach, die mit den Nachbarn harmonisierende Trauf- und Firsthöhe sowie das an aussteifendes Fachwerk erinnernde sichtbar starke Tragwerk aus Stahlbeton zu verstehen. Im Innern indes zeigt sich das Haus schlicht, reduziert und mit den Denkzellen oder Nestern punktuell farbig, sie setzen Akzente in den Großraumbüros. Die Architekturpreisjury urteilte: Eine Kulturstiftung, die innovative Kulturprojekte fördert, soll auch innovativen, offenen Charakter haben. Das ist hervorragend gelungen.

Standort
Franckeplatz 2, Halle (Saale)

Bauherr/in
Kulturstiftung des Bundes, Halle (Saale)

Architekten
Dannheimer & Joos Architekten GmbH, München

Preise
Architekturpreis des Landes Sachsen-Anhalt 2013, Auszeichnung

Fertigstellung
2012