Steffen Spitzner

Luthers Elternhaus, Sanierung und Erweiterung, Mansfeld

Martin Luther war nur wenige Monate alt, als die Eltern von Eisleben nach Mansfeld zogen. Hier bewohnten sie einen Vierseithof im Zentrum der kleinen Stadt. Knapp vier Jahrhunderte später war davon lediglich ein Nebenbau verblieben, der erst Gedenkstätte und dann Luthermuseum wurde. Die Chance eines musealen Neubeginns bot sich ab 2007 mit Übernahme durch die Stadt Mansfeld bzw. ab 2013 in Obhut der Stiftung Luthergedenkstätten in Sachsen-Anhalt und mit der Erkenntnis: Um Anspruch und Anforderung an ein modernes Museum gerecht zu werden, musste das historische, in seinem Kern noch bauzeitliche Haus denkmalgerecht restauriert, saniert – erweitert werden? Denn zwischenzeitlich gab es auch mehr auszustellen. Archäologen hatten im Zuge von Grabungen umfangreiche Relikte aus einer hausnahen Abfallgrube zutage gebracht.

Saniert und gebaut hat man schließlich jenen Entwurf, der im Rahmen einer Ideensammlung im Jahre 2010 der „am besten auf den Ort“ reagiert. Das historische Haus wurde in seinen ursprünglichen Zustand gebracht und ist nun als „wichtigstes Exponat seiner selbst“ Gegenstand der Einladung „bauarchäologische Spurenlese“ nebst medialer Begegnung mit früheren Bewohnern. Gegenüber gelang der Geniestreich eines passgenauen, polygonalen Stadtbausteins, der zwischen den angrenzenden Nachbarn zu vermitteln sucht. Zwei große Öffnungen dominieren hier die sonst eher streng und introvertiert wirkende Waschbetonfassade: der zurückgesetzte Eingang sowie ein Fenster im ersten Obergeschoss mit bestem Blick auf Luthers Elternhaus und hoch zum Schloss. Dass sich der Bau wie ein „musealer Schutzraum“ anfühlt, war durchaus Intention und verwirklicht sich auch bei der Wahl des reduzierten Materialmix aus Beton, Holz, Glas und Kalkputz. Dazwischen: Schätze! Wertvolle und einzigartige Exponate, die man dem Ausspruch des großen Reformators folgend „Ich bin ein Mansfeldisch Kind“ gekonnt in den Kontext der Zeit zwischen Kupferschieferbergbau, Kirche und Grafschaft stellte.

Fazit der Jury: „Luthers Elternhaus und der Neubau des Ausstellungsgebäudes bilden ein über den Straßenraum hinweg stimmiges Ensemble. … Der Museumsneubau schafft es, sich mit seiner freien Kubatur und seiner zeitgenössischen Anmutung als verbindendes Element in das historische Stadtgefüge zu integrieren.“ Chapeau!

Standort
Lutherstraße 26, Mansfeld-Lutherstadt

Bauherr/in
Stiftung Luthergedenkstätten in Sachsen-Anhalt, Lutherstadt Wittenberg

Architekten
Anderhalten Architekten, Berlin

Preise
Architekturpreis des Landes Sachsen-Anhalt 2019, Auszeichnung

Fertigstellung
2015