Michael Uhlmann, Gunnar Volkmann

Martinszentrum Bernburg, Umbau und Erweiterung der Martinskirche

Seit 1887 steht die hoch aufragende Kirche St. Martin auf einem ovalen Platz am Rande eines gründerzeitlich geprägten Bernburger Stadtteils. Von hier aus hat der Sandsteinbau viel gesehen, viel erlebt und auch viel ertragen. Letztlich auch seinen baulichen Verfall, den die Evangelische Landeskirche und die Martinsgemeinde zum Anlass nahmen, mehr als nur eine Dachsanierung ins Auge zu fassen. Die Kirche sollte Mittelpunkt des neuen Martinszentrums werden, in dem Krippe, Kindergarten, Hort und Grundschule für insgesamt 165 Kinder Platz finden. Preisträger eines eingeladenen Wettbewerbs wurde das Leipziger Architekturbüro Weis & Volkmann, das mit seinem Entwurf nachdrücklich das nicht alltägliche bauliche Anliegen der Auslober umsetzte: die Martinskirche als feste Burg in ihrer Dominanz und Vertikalität zu belassen und mit leichten Bauten in Beziehung zu setzen, die an Kirche in Bewegung, an das biblische Bild des leichten Zeltes erinnern. Die Architekten planten aus dieser Idee heraus lang gestreckte Holzflachbauten, die an drei Seiten die alte Kirche zu umarmen scheinen. Zu ihr öffnen sich die Pavillons unter Pergolen und einer Freitreppe unter dem Grün der großen Bäume, die behutsam in das Gesamtkonzept integriert wurden. Um sie zu erhalten, stehen die Neubauten auf Betonpfählen, was dem Hofensemble Bühnenatmosphäre verleiht. Einfachheit, Bescheidenheit und Natürlichkeit setzen sich im Innern des Zentrums fort, wie überhaupt kindgerechte Materialien ohne Hochglanzallüren dominieren. Das passt zum pädagogischen Konzept, das die neue Schule als Haus des Lebens und Lernens in christlicher Gemeinschaft mit sinnund erfahrungsorientiertem Lernen begreift. 1,2 Millionen Euro gab es dafür aus dem Ganztagsschulprogramm der Bundesregierung. Der Kirchenbau selbst beherbergt nun einen leichten, transparenten Kubus, dessen Fensterfronten sich zum Kirchenraum axial öffnen. Er wurde für den Betrachter scheinbar schwebend vor der Orgelempore über zwei Achsen eingefügt und bietet neuen Raum für Musik, Kunst und Werken in einem einzigartigen Zusammenspiel von Gemeindearbeit und Schulbetrieb. Ein Ort für alle Generationen.

Standort
Martinstraße 21, Bernburg (Saale)

Bauherr/in
Evangelische Landeskirche Anhalts, Dessau-Roßlau mit der Evangelischen Martinsgemeinde Bernburg

Architekten
Weis & Volkmann Architektur, Leipzig

Preise
Architekturpreis des Landes Sachsen-Anhalt 2007, Auszeichnung; Belobigung Deutscher Städtebaupreis 2008

Fertigstellung
2007