Werner Huthmacher

Mediathek Burg Giebichenstein, Halle (Saale)

Zwischen zwei historischen Villen zu bauen, kann schwierig sein, insbesondere dann, wenn der nachbarlich gebaute Reichtum per se Aufmerksamkeit erheischt, der Bauplatz eng ist und die denkmalpflegerischen Vorgaben streng. Mit dem Neubau der Mediathek auf dem Design Campus der Kunsthochschule Burg Giebichenstein neben der historistischen Villa Steckner, schon seit 1976 Hauptgebäude der Hochschule, gelang jedoch das Kunststück eines überzeugenden Nebeneinanders von Alt und Neu: mit der Idee vom Gartenhaus. Für ihren Entwurf ließen sich die Architekten von einem alten Bauplan inspirieren, der an der Stelle des topografisch schwierigen Bauterrains eine Pergola zeigt. Daraus wuchs die Idee eines schlichten, langgestreckten Holzbaus, der sich eindeutig der Repräsentanz unterordnet und doch adäquate Distanz wahrt. Die Jury des vorgeschalteten Wettbewerbs jedenfalls war davon überzeugt. Entstanden ist ein leichter, feiner, gut proportionierter und filigran mit Holz verkleideter Bau. Er schiebt sich mit seiner Stirn in den Hang hinein und zeigt straßenseitig selbstbewusste Präsenz wie Bescheidenheit neben der Steckner-Villa. Seine wahre Dimension verbirgt der Neubau jedoch, unter der Erde nämlich, wo sich rund 60 Prozent seiner Baumasse findet. Die oberirdischen Geschosse sind mit einer transparenten Fassade zur Villa orientiert. In deren Raster aus Glas und Lärchenholz spiegelt sich nicht nur die Detailverliebtheit der Nachbarin, es spielt das Spiel seiner Teilung von unten nach oben in unaufgeregter Gefälligkeit. So dringt bestes Licht in die Etagen, aber auch über die großzügigen Verglasungen der Lufträume in die sogenannten „Gebäudeköpfe“ mit Lesesaal und Seminarraum. Wer hier den Blick vom Buch hebt, findet mit Wipfeln, Villa oder Wolken vielfach Sichtbeziehung zur äußeren Welt. Dass das Haus aus Holz in Wahrheit ein Haus aus Beton ist, offenbart sich erst im Innern. Seine Skelettbauweise mit auffallend schlanken Stützen gewährleistet frei spannende Flachdecken und damit gut Platz für ein umfangreiches Raumprogramm. Die Jury befand: „Das Haus ist schön, einfach, flexibel und gemacht für lange Zeit. Bauherr, Architekt und Benutzer werden das noch lange genießen.“

Standort
Neuwerk 7, Halle (Saale)

Bauherr/in
Bau- und Liegenschaftsmanagement Sachsen-Anhalt (BLSA), Magdeburg

Architekten
F29 Architekten GmbH, Dresden, und ZILA Freie Architekten, Leipzig

Preise
Architekturpreis des Landes Sachsen-Anhalt 2016, Auszeichnung

Fertigstellung
2015