Christian Richters Photography

Mehrgenerationswohnen II, Halle (Saale)

Ganz Deutschland diskutiert darüber, wie es gelingt, dass Wohnen bezahlbar bleibt, gleichzeitig aber ressourcenschonend, zeitgenössisch und kostengünstig gebaut und trotzdem ein Maximum an Wohnkomfort erzielt werden kann. Wegweisend hat in diesem Sinne die Gemeinnützige Wohnungsbaugenossenschaft „Eigene Scholle“ eG aus Halle (Saale) gewirkt und ein Projekt inmitten einer in den 1920er-Jahren erbauten Gartenstadt Wirklichkeit werden lassen. Erschwingliches Wohnen für jedermann in einer breiten Palette von Wohnungstypen und -größen sowie unabhängiges Leben bis ins hohe Alter in einem von Alt und Jung gehaltenen Netzwerk nebst durchgängiger Barrierefreiheit in Haus und Garten waren Vision und Motiv zugleich. Entstanden sind fünf jeweils drei Geschoss hohe Neubauten.

Die klare Kubatur der Häuser, das angedeutete Satteldach oder die variable und intelligente Setzung der Traufe verstehen sich als eine Neuinterpretation der historischen Nachbarfassaden. Im Innern finden sich offene schöne Räume auf kompakten Grundrissflächen. Das Dachvolumen hat man mittels eingestellter Galerieebenen maximal ausgenutzt. Große Fenster lassen Licht und Luft in die Räume fluten, Balkone und Terrassen erweitern die Wohnungen hinaus in die ruhigen Gartenhöfe. Die sind auto- und zaunfrei, stattdessen durchgängig saftig grün. Und das auch in heißen Sommern, weil nämlich das Retentionsdach der Tiefgarage als Regenwasserspeicher dient. Zudem hat man Wert auf die Verwendung von Materialien gelegt, die „in Würde altern und in ihrer Zeitlosigkeit mehrere Generationen überdauern“. Keine Versiegelungen, keine Farbanstriche. Dafür: Sichtbeton, Sichtestriche, naturbelassene Putze, vorgefertigte Bauelemente. Und ein kluger Umgang mit vorhandenen Ressourcen. Im Vorfeld hatte man die Genossenschafter nach Bedarf und Wunsch befragt. So sind auch sie entstanden: Treffmöglichkeiten auf allen Ebenen für ein soziales Miteinander auf vertrautem Terrain. Es ist ein modernes Mehrgenerationenkonzept, das die Genossenschaft hier fährt und viele Freunde hat.

Die Jury war am Ende überzeugt: „Das Projekt ist … in seinen baulichen, planerischen und Materialqualitäten ein überragendes Beispiel eines zukunftsorientierten Wohnungsbaus.“ Es verfügt „über eine Strahlkraft weit über die Grenzen von Sachsen-Anhalt“.

Standort
Diesterwegstraße 36a, Halle (Saale)

Bauherr/in
GWG "Eigene Scholle" eG, Halle (Saale)

Architekten
Enke Wulf architekten, Berlin

Preise
Auszeichnung zum Architekturpreis des Landes Sachsen-Anhalt 2019

Fertigstellung
2019