N. Bleul/A. Weber, Steffen Spitzner

Melanchthonhaus, Lutherstadt Wittenberg

Sanierung und Erweiterung

„Wenn ein Haus das wichtigste Exponat seiner selbst ist“ – diese kurze Formel steht für das historische Wohn- und auch Sterbehaus des Philosophen, Denkers und Reformators Philipp Melanchthon. Es ist das „authentischste Gebäude“ der unter UNESCO-Schutz gestellten Luthergedenkstätten in Sachsen-Anhalt. Über die Jahrhunderte weitgehend original erhalten und seit 1954 als Museum betrieben, lief der 1537 eigens für den Universitätsprofessor errichtete Renaissancebau jedoch Gefahr, im Heute und in der Zukunft von Mensch und Interesse „übernutzt“ zu werden. Ein „dienstbarer Nachbar“ ist folgerichtig in einer Lücke daneben entstanden, ein monolithisch anmutender Erweiterungsbau, der sich mit großer Selbstverständlichkeit und Disziplin in die Reihe der vielfältigen Bauten entlang der Collegienstraße stellt. Mit seinem kleinem Schrägdach folgt er einer wittenbergischen Typologie, gänzlich neu angelegt aber ist die dunkelgraue Ziegelfassade, sie changiert je nach Lichteinfall und Wetter; vor- und zurückspringende Reihen des Klinkerverbands verstärken ihre plastische Wirkung. Die Aufgaben des Neubaus sind klar umrissen: zum einen, dem wertvollen Denkmal die Last des hohen Anspruchs an einen modernen Museumsbau zu nehmen. So empfängt er den Besucher in seinem Erdgeschoss mit Kasse und Shop und allen weiteren baulichen Notwendigkeiten sowie einem Aufzug, der die barrierefreie Erschließung ermöglicht. Zum anderen aber schafft das klimatisierte, luftfeuchteregulierte und lichtgedimmte Gebäude auf seinen zwei oberen Etagen zusätzliche 600 Quadratmeter Ausstellungsfläche für den konservatorisch anspruchsvollen Schatz: die Briefe, Bücher, Bilder, Büsten. Melanchthons Haus selbst erhielt im Zuge der denkmalgerechten Sanierung seine bauarchäologisch belegte Raumabfolge zurück, Decken wurden saniert und das Tragwerk gesichert. Ein sparsames, auf szenografische Elemente setzendes Ausstellungskonzept lässt das Gebäude heute weitgehend für sich allein sprechen, nur das Studier- und Sterbezimmer, 1897 im „altdeutschen Stil“ inszeniert, ist geblieben. Fazit: Die Jury lobt „die Eigenständigkeit des modernen Neubaus, seine reduzierte Fassade und die Verwendung werthaltiger Materialien. Es ist eine hochwertige Architektur entstanden“.

Standort
Collegienstraße 61, Lutherstadt Wittenberg

Bauherr/in
Stiftung Luthergedenkstätten in Sachsen-Anhalt, Lutherstadt Wittenberg

Architekten
dietzsch & weber architekten bda, Halle (Saale)

Preise
Architekturpreis des Landes Sachsen-Anhalt 2016, Engere Wahl

Fertigstellung
2013