Bernd Hiepe/2007

Museum Luthergeburtshaus, Sanierung und Erweiterung, Eisleben

Für Eisleben ist es ein Glücksfall. Die von Abwanderung und Schrumpfung gezeichnete Stadt hat mit der Sanierung, dem Umbau und einer zeitgemäßen Ergänzung des Museums Luthergeburtshaus einen neuen touristischen Magneten erhalten. 2005 entschied die Stiftung Luthergedenkstätten die längst überfällige Sanierung der Welterbestätte samt der Ausstellungspräsentation zum großen Reformator. Das passte zum Anliegen der IBA Stadt Eisleben, den Tourismus als Pendant zur sterbenden Industrie in der Region zu beleben. Der Berliner Jörg Springer überzeugte in der Vorauswahl mit einer, wie er sagt, städtebaulichen Strategie denn einem architektonischen Entwurf. Er stellte den Hof in das Zentrum des Ensembles und verband Geburtshaus und Armenschule durch einen rückwärtigen, verbindenden Neubau, der heute zugleich den Eingang des Museums birgt. Ihm, wie auch dem Besucherzentrum auf dem gegenüberliegenden Straßeneck, ist eine reduzierte Formensprache eigen, die sich durch tief eingeschnittene, raumhohe Fenster- und Türöffnungen unterschiedlicher Breite in steter Vertikalität mitteilt. Eine große plastische Qualität spricht für sie ebenso wie die exquisite Materialwahl der massiv mit Egernsunder Ziegel errichteten Bauten. Der grau bis rötliche Farbton passt ins Stadtbild, er harmoniert und versöhnt zugleich die Mahner, die das historische Ensemble durch eine moderne Handschrift in Gefahr sahen. Beim Gang durch die Ausstellung trifft Altes ganz selbstverständlich auf Neues, hier schafft Springer durch große, dem Innenraum funktional zugeordnete Öffnungen Ausblicke in die alte Stadt. So ist sie als Kontext zugegen, wenn man sich auf den Rundgang durch die Präsentation auf Luthers Wege begibt. Das kubische Besucherzentrum schließt eine Lücke im Eislebener Stadtbild und erweitert die Stelle zugleich zu einem Luther-Quartier. Das kann der wachsende internationale Luthertourismus gut brauchen, wie überhaupt Sachsen-Anhalt solche Glücksfälle wie das sanierte, umgebaute, ergänzte und nun preisgekrönte Museum Luthergeburtshaus Eisleben gut brauchen kann.

Standort
Lutherstraße 15-17, Lutherstadt Eisleben

Bauherr/in
Stiftung Luthergedenkstätten in Sachsen-Anhalt, Lutherstadt Wittenberg

Architekten
Springer Architekten, Dipl.-Ing. Jörg Springer, Berlin

Preise
Architekturpreis des Landes Sachsen-Anhalt 2007; Belobigung Deutscher Städtebaupreis 2008; Hannes-Meyer-Preis 2009

Fertigstellung
2007