Andreas Weber und Nadja Bleul

Restaurierungswerkstätten, Halle (Saale)

Es ist Halles kleine Museumsinsel: Eingebettet in das gründerzeitlich dicht bebaute Mühlwegviertel wurde bereits 1918 der archaische Bau des heutigen Landesmuseums für Vorgeschichte auf einem dreieckigen Areal fertiggestellt. Mit seinen großen abgerundeten Gebäudeecken liefert er die Vorgaben für ein Weiterbauen im Quartier, zu dem ein rückseitiger kleiner Park und ein Gartenhaus gehört, allesamt von einer umlaufenden Einfriedung gefasst. Auf der noch freien Ecke der Insel entstanden nun im Jahr 2008 die neuen Restaurierungswerkstätten, die seit ihrer Inbetriebnahme schon prominente Gäste beherbergten: Die Gebeine von Königin Editha, der Gattin Ottos des Großen, etwa oder jene von Rudolf II. wurden hier untersucht. Die weichen Gebäuderundungen des dreigeschossigen Neubaus haben die Architekten mit Mitteln des Industriebaus neu interpretiert und aus grünlich schimmernden Profilglaselementen gestaltet. Sie gliedern vertikal den Bau und lassen eine optimale neutrale und blendfreie Belichtung der Arbeitsplätze im Innern zu. Umgekehrt leuchten die Werkstätten in der Dämmerung und nachts aus sich heraus. Die großen Restaurierungswerkstätten hat man praktischerweise im Erdgeschoss untergebracht. Hier ist eine ebenerdige Anlieferung von Exponaten per Lkw möglich. Ein für Europaletten ausgelegter Aufzug sichert die barrierefreie Erschließung des gesamten Gebäudes. Die Werkstätten Metall sowie Holz, Keramik und organische Materialien liegen mit gleicher Orientierung wie die Restaurierungsabteilung zur Grundstücksecke in den Rundungen des Baukörpers im 1. bzw. 2. Obergeschoss, die notwendigen Büros und Labore sind ihnen zugeordnet. Wie ein helles Band umschließt ein Kalksteinsockel den neuen Bau und orientiert sich damit konsequent am Oberflächenmaterial des altehrwürdigen Museums. Entstanden ist so ein in sich geschlossenes Ensemble auf Halles kleiner Museumsinsel.

Standort
Mozartstraße/Triftstraße, Halle (Saale)

Bauherr/in
Landesbetrieb Bau Sachsen-Anhalt, Niederlassung Süd, Halle (Saale) und Landesmuseum für Vorgeschichte, Halle (Saale)

Architekten
dietzsch & weber architekten, Halle (Saale)

Preise
Architekturpreis des Landes Sachsen-Anhalt 2010, Engere Wahl

Fertigstellung
2008