Michael Moser

Schloss Köthen, Spiegelsaal, Neuinszenierung, Köthen (Anhalt)

Hunderte Spiegel in einem Saal vereint: Das war 1823 das Geschenk des Herzogs Friedrich Ferdinand an seine Gattin Julie von Anhalt-Köthen zu deren 30. Geburtstag. Märchenhaft vervielfachten sich Betrachter und Raum in der Reflexion, erweiterten optisch gespiegelte Flächen den Thronsaal zu einem wertvollen Schatzkästlein des Lichts: zu einem Schauplatz royaler Eleganz. Der Saal ist ein Werk des Architekten Gottfried Bandhauer, dem hier glückte, was er plante: in den vorhandenen Renaissancebau einen klassizistischen Innenraum einzufügen. Nun – nach 200 Jahren – galt es, dieses Gesamtkunstwerk nicht allein blankzuputzen, sondern für die Zukunft zu retten. Denn der Saal war in den vergangenen Jahrzehnten intensiv genutzt worden.

Voraussetzung für die Sanierung war eine Alternativspielstätte, die 2008 mit der Einweihung des Johann-Sebastian-Bach-Saals (Architekturpreis des Landes Sachsen-Anhalt 2010) geschaffen war. Sieben Jahre (seit 2011) haben Architekten, Denkmalpfleger und Restauratoren daran gearbeitet, den maximalen Erhalt und die Sicherung der originalen Konstruktion und Materialien an Wänden, Fenstern, Türen zu ermöglichen. Dazu wurden u. a. die mächtige Decke mit ihren wertvollen, in hell pastellen Farbtönen gehaltene Gipskassetten wiederhergestellt, mit höchstem Geschick die blassgrünen, die Wände gliedernden korinthischen Pilaster in ihr ursprüngliches Indigoblau zurück- sowie ungezählte, von alter Handwerkskunst geprägte Arbeiten durchgeführt. Die vom zerstörerischen Holzschwamm befallenen Bodenbalken konnten saniert und das alte Tafelparkett rekonstruiert sowie die drei, den herrschaftlichen Raum dominierenden Kronleuchter aufwändig zu alter Schönheit gebracht und nicht nur neu, sondern mit stromsparenden LEDLeuchten ausgestattet werden. Und schließlich: Um das historische Erscheinungsbild des Saals nicht zu stören und trotzdem eine bauphysikalisch adäquate Temperierung zu erlangen, wurden die Heizkörper unterhalb der Fensterbrüstungen durch Luftkonvektoren im Unterboden ersetzt.

Das Juryvotum: Die „zahlreichen ‘versteckten Reparaturen’ … wurden so sensibel durchgeführt, dass der Besucher die atemberaubende Farben- und Materialpracht neu erleben darf. Der Glanz des Spiegelsaals wurde … aus dem ‘Dornröschenschlaf’ wiedererweckt“.

Standort
Schlossplatz, Köthen (Anhalt)

Bauherr/in
Kulturstiftung Sachsen-Anhalt, Gommern, OT Leitzkau

Architekten
AADe | Atelier für Architektur und Denkmalpflege, Köthen (Anhalt)

Preise
Architekturpreis des Landes Sachsen-Anhalt 2019, Auszeichnung

Fertigstellung
2019