Hanns Joosten

„Stadt Landschaft Burg“ – LAGA 2018, Burg

Wer sich noch an die frühere, von Industrie geprägte und vom Strukturwandel der Nachwendejahre schwer gezeichnete Stadt Burg zu erinnern suchte, konnte sich im Jahr 2018 wohlmeinend eines Besseren belehren, sie neu entdecken und an bisher unbekannte, neu gestaltete Orte entführen lassen: gleich bei der Ankunft etwa beim Ausstieg aus der Bahn in ein saniertes Bahnhofsgebäude, das samt neugestaltetem Vorplatz im Gartenschaujahr zugleich als eine Art Besucherzentrum und Eingangstor zur Schau fungierte. Oder hinein in den überbordend farben- und formenreichen historischen Goethepark, der Ausgangspunkt war für einen „roten Faden“, den man quer durch die Altstadt gespannt hatte und entlang dem die neuen Ihlegärten ebenso präsentiert wurden wie das u. a. um ein Spieleparadies ergänzte Areal rund um den „Weinberg“. Dessen „Stadtbalkon“ war zugleich buchstäblicher „Höhepunkt“ vor Erreichen des wiederbelebten alten Flickschuparks, in dem der Wind die Wasser strich und die satte Abendsonne die uralten Platanen zum Leuchten brachte.

Burg geriet im heißen Sommer 2018 zum Paradebeispiel, wie eine Gartenschau sichere Impulse für Stadtentwicklung zu setzen vermag. Der Stadt gelang, was vorher keiner auf dem Zettel hatte: Sie war, sie ist „Von Gärten umarmt“. Dem poetischen Motto war die politische Entscheidung vorausgegangen, die 4. Landesgartenschau Sachsen-Anhalts im Jahr 2018 in Burg (bei Magdeburg) auszurichten. Die Idee von den „Gärten“ fußte auf einem Wettbewerbsentscheid von 2013. Das erklärte Ziel des Siegerbeitrags „Stadt Landschaft Burg“ war es, den Stadtkern als ideellen und infrastrukturellen Bezugsraum zu stärken. Die Strategie? Das vorhandene Netz von Stadt- und Landschaftsräumen neu zu formulieren, dazu „vergessene“ historische Parks als „attraktive Pole“ in das Bewusstsein der Stadt zurückzuholen und dazwischen die altstädtischen Freiräume zu revitalisieren respektive neue hinzusetzen und mit neuen Wegen zu verbinden.

Dass das Gartenschau-Rezept aufging, ist heute der große Zugewinn für Stadt – und Land: „Die Jury würdigt ausdrücklich den sensiblen Umgang mit dem Bestand und die nachhaltige und weitsichtige Entwicklung innerstädtischer Freiflächen, die auch für die nächsten Generationen eine erhebliche Verbesserung der Qualitäten in der Stadt Burg bedeuten werden.“

Standort
Bahnhofsvorplatz, Burg

Bauherr/in
Stadt Burg, Burg

Architekten
relais Landschaftsarchitekten Heck Mommsen PartGmbB, Berlin

Preise
Auszeichnung zum Architekturpreis des Landes Sachsen-Anhalt 2019

Fertigstellung
2018