Klaus Schrader und Heiko Rebsch

Stadt- und Kathedralkirche St. Jakob, Köthen

Für die 600 Jahre alte Jakobskirche war es die größte Sanierung des Innenraumes seit 140 Jahren. Als spätgotische Hallenkirche erbaut, wurde sie zuletzt ab 1866 restauriert und innerhalb dreier Jahre im neugotischen Stil ausgestaltet, ’stilrein‘ wie die Experten sagen. Die nun erfolgte Sanierung scheint dem Betrachter diesen Eindruck in seiner ganzen Vielfalt und Schönheit zurückgebracht zu haben. Es war vor allem das Wasser, das dem Kirchenbau zugesetzt hatte. Nässeschäden und nachfolgende Versalzungen waren unübersehbar zwischen den Gewölberippen und an den Wänden entstanden. Ungeeignete Baustoffe wie Zementputz oder -mörtel hatten ihr übriges dazugetan. Es war ein Zustand, wie man ihn in vielen Kirchen landauf, landab findet. St. Jakob hatte das Glück einer engagierten Gemeinde, aber auch das von vielen ‚Zuwendungsgebern, Förderern und Spendern‘, wie man im Gemeindekirchenrat betont. 680.000 Euro kamen so zusammen. Ein zauberhaftes helles Grün im Chor und in den Gewölben schenkt dem Bau nach seiner Sanierung und der farblichen Neugestaltung eine neue Ruhe und Erhabenheit. Seine Nuancen spielen mit den nun wieder vergoldeten Rippen, gerahmt von einem zarten Rot und dem hellen Ocker der Kirchenwände. Mit diesen Qualitäten schaffte es das Bauvorhaben im Verfahren zum Architekturpreis des Landes Sachsen-Anhalt 2010 in die Engere Wahl. ‚Es ist nicht leicht‘, würdigt die Jury die Arbeit der Architekten, ‚den inzwischen nach der Fertigstellung als selbstverständlich befundenen Ausdruck der Kirche, das in sich ruhende Interieurdesign, die stimmige inspirierende Farbgestaltung besonders mit der emphatischen und sympathischen Steigerung des Grüns in der Apsis der Kirche gleichsam sichtbar zu würdigen.‘ Es sei ein feiner, stiller, beispielhaft vorbildlicher architektonischer Beitrag ohne den Übermut oder die Eitelkeit der Architektenautorenschaft. ‚Vielleicht ist die sensible Rolle dieser Architekten, ihr überzeugendes Werk, dem Vergleich zu einem Klavierstimmer zu entlehnen. Dieser stimmt das Instrument im Abgleich von Mechanik und Ton, steht zwischen Werk und Kunst und muss zwischen Empirie und Metaphysik den richtigen Ton finden. Diese Kirche klingt wieder, sie hat ihren Ton gefunden.‘

Standort
Hallesche Straße 15a, Köthen (Anhalt)

Bauherr/in
Evangelische Kirchengemeinde St. Jakob Köthen, Köthen

Architekten
DS ARCHITECTS, Köthen

Preise
Architekturpreis des Landes Sachsen-Anhalt 2010, Engere Wahl

Fertigstellung
2010