Adolf Bereuter

Verwaltungs- und Logistikzentrum, Magdeburg

Der Neubau eines Vertriebszentrums ist eine in Zeiten globalen Handels weitverbreitete, man könnte auch sagen: eine Allerweltsaufgabe. Vor den Toren der Landeshauptstadt Magdeburg jedoch hat die aus dem österreichischen Mäder kommende Gunz Warenhandels GmbH ein Verwaltungs- und Logistikzentrum für Lebensmittel gebaut, das nunmehr Maßstäbe für Gewerbebauten setzen darf: Es besticht, so urteilt die Jury anerkennend, durch sein hoch qualitatives Erscheinungsbild. Einem großen schwarzen Monolithen gleich, so mag dem Autofahrer die kompakte Firmenniederlassung beim eiligen Vorüberfahren im Gedächtnis haften bleiben. Dem genaueren Betrachter entgeht jedoch die changierende Note der matt-dunklen, nahtlosen Paneelverkleidung nicht. Die Hülle ist ein eleganter Mantel für ein Haus, das unterschiedliche Nutzungen Verwaltung, Kommissionierung, Verpackung und Lager eng miteinander verknüpft. Mit seiner glatten, hermetisch abgeschirmten Rückfront begleitet der Bau ganz selbstverständlich die Autobahn, zur Vorderseite jedoch schiebt sich aus dem homogenen Körper ein fassadenlanger Bürotrakt heraus, seine tiefe, abgeschrägte Laibung hält einem Bilderrahmen gleich eine riesige Glasfläche: ein Fenster in die Welt. Die Lkw werden unterhalb dieses großen Bauteils wie unter einem schützenden Dachüberstand an den Ladetoren zum Be- und Entladen erwartet. Darüber, in dem mit Tageslicht durchfluteten Großraumbüro, finden transparent und übersichtlich die Verwaltungsabläufe statt. Es ist beiderseits, also auch mit bester Sicht hinab in die große, durch Oberlichter perfekt erhellte Kommissionierhalle, bodentief verglast. So ergibt sich Übersicht sowohl nach außen als auch nach innen, sie ermöglicht direkte Sichtbeziehungen und eine enge Verflechtung der Bereiche zu einer großzügigen, teamorientierten Arbeitswelt für alle Mitarbeiter. Großzügigkeit findet sich auch in der Anordnung der durchweg weiß möblierten Büroarbeitsplätze entlang des großen Schaufensters, auch in den mit Finesse und Aufmerksamkeit fürs Detail gestalteten Teeküchen sowie dem mit Naturhölzern möblierten Aufenthaltsraum. Das alles folgt einem hohen gestalterischen Prinzip, das Arbeitswelten gleichwohl als Lebenswelten begreift und in der unverwechselbaren Handschrift Vorarlberger Architektur in Sachsen-Anhalt vormacht, wie ein Gewerbebau aussehen kann.

Standort
Stegelitzer Straße 16, Magdeburg

Bauherr/in
Gunz Warenhandels GmbH, Magdeburg

Architekten
hammer pfeiffer | architekten, Lindau Ingenieurbüro SIEGLING, Rigo Siegling, Magdeburg

Preise
Architekturpreis des Landes Sachsen-Anhalt 2013, Auszeichnung

Fertigstellung
2012