Andreas Weber

Wohn- und Geschäftshaus, Weißenfels

Was lange währt, wird endlich gut. Bereits 2012/2013 hatte die komplizierte Innenstadtecke mit ihren drei historischen Parzellen im Mittelpunkt der MUT-ZURLÜCKE- Wettbewerbe der Architektenkammer Sachsen-Anhalt gestanden. Von den drei vergebenen Preisen
wurde der 2. Preis realisiert, ein Entwurf, der ein passgenaues und dennoch differenziertes Ensemble vorsah. Nach drei Jahren Bauzeit sind im März 2019 die Mieter und das Glück eingezogen. Denn die hiesige Wohnungsbaugenossenschaft hat mit ihrem Bauengagement die schmerzende Wunde im verletzlichen historischen Altstadtquartier und damit in den Herzen der Weißenfelser geschlossen. So steht das Haus letztlich auch für die Botschaft, dass sich in wirtschafts- und strukturschwach wahrgenommenen Städten auf anspruchsvoll geschnittenen Brachen mit moderner Architektur durchaus etwas bewegen und Zukunft bauen lässt.

Der Plan war klar. Es sollte im Weißenfelser Denkmalbereich ein Haus entstehen, an dem die historische Gliederung ablesbar bleiben und zudem zwischen den unterschiedlich hohen und aus verschiedenen Zeiten stammenden Nachbargebäuden vermitteln sollte. Gelöst haben die halleschen Architekten die Aufgabe mit einem monolithischen Bauwerk, das die wichtige Straßenecke auf sehr besondere Weise wieder geschlossen hat. Wie aus einem Stück gefertigt wirkt der dreigeschossige neue Stadtbaustein, der sich geschickt mit rückgestaffelten Loggien an den niedrigeren Bestand anpasst, hingegen mit einem hohen, sich aus dem Baukörper heraus entwickelnden Eckturm zusammen mit dem des gegenüberliegenden Hotels eine Art „Eingangstor“ zur Altstadt bildet. Geradlinig und schnörkelfrei sind die glatt und hellgrau verputzten Fassadenflächen mit ihren großen Fensteröffnungen gestaltet. Bewegung und Leben bringen die eingezogenen Loggien sowie die schrägen, mehrfach geteilten Dachflächen mit ihrer Zwerchhausstruktur ins Spiel. Fazit: Stil und Farbe schaffen einen einheitlichen Gesamteindruck, die Form indes teilt angenehm das große Volumen in kleine Stücke. So bietet sich ein vertrautes und doch neues Bild im Stadtquartier – samt historischem Portal an altgewohnter Stelle.

Die Jury wertete: „Ein überzeugender und vorbildlicher Beitrag zur Innenentwicklung und Revitalisierung von Weißenfels.“

Standort
Jüdenstraße 49, Weißenfels

Bauherr/in
Wohnungsbaugenossenschaft Weißenfels/Saale eG, Weißenfels

Architekten
dietzsch & weber architekten bda, Halle (Saale)

Preise
Architekturpreis des Landes Sachsen-Anhalt 2019, Auszeichnung

Fertigstellung
2019