Markus Scholz, Barbara Limpert, Thomas Dietzsch

Wohnhaus, Schlossberg, Halle (Saale)

Umbau und Erweiterung

Es war schon lange da, dieses kleine, wie zurückgelassen wirkende, zweigeschossige Haus am Hang in prominenter Lage zwischen Moritzburg und Dom, und war doch – desolat und von Grün überwuchert – völlig aus der öffentlichen Wahrnehmung verschwunden. Dass es zum benachbarten, um 1900 in hellem Backstein errichteten Preußischen Militärlazarett als dessen Kohle- und Lagerschuppen gehörte, wussten nur wenige. Ja, man hätte es auch abreißen und etwas Neues bauen können. Um jedoch die vorhandenen Ressourcen, insbesondere die darin steckende (graue) Energie, sinnvoll und kreativ zu nutzen, war es für die Bauherren – selbst Architekten – geradezu folgerichtig, den einfachen Bau als Steilvorlage für einen Umbau samt Erweiterung zu verstehen. Das beneidenswerte Ergebnis: zwei großzügige Wohnungen, separat voneinander erreichbar, mit dem Luxus von Terrassengrün und Sonne mitten in der Saalestadt. Die im Ursprung simple Hausstruktur ließ eine völlige Neuorganisation mit einfachen Mitteln zu. Einzig eine neue massive Querwand steift heute das Gebäude zusätzlich aus. Die große bauliche Veränderung war jedoch eine an drei Seiten mit Lärchenholz verkleidete Aufstockung. So wurde aus dem zweigeschossigen ein dreigeschossiger Bau, der den Bewohnern ein komfortables Zimmer mit Vollverglasung zu der nach Westen orientierten Dachterrasse verschafft. Die West- und Südseite grenzten ursprünglich an heute nicht mehr vorhandene Gebäude an, das erklärt, warum lediglich die Nord- und Ostseite von ihren Erbauern mit dezent geschmücktem Ziegelmauerwerk versehen wurden. Diese Fassaden wurden nun der neuen Raumstruktur folgend zurückhaltend korrigiert und mit Mineralfaserplatten innengedämmt. Die Südseite hingegen konnte völlig neu und mit großen Fenstern samt Schiebeläden aus Holzlamellen gestaltet werden. Solarthermie und Regenwassernutzung flankieren das ressourcenschonende Konzept des Wohnhauses auf dem halleschen Schlossberg, „das sicher erst bei weiterer Bebauung der Umgebung seine ganze Wirkung entfalten wird“, urteilte die Jury und resümiert: „Mit einem überschaubaren Budget wurde hier ein in jedweder Hinsicht nachhaltiges Projekt in bemerkenswerter Qualität umgesetzt, … ein innerstädtischer Standort aufgewertet.“

Standort
Schlossberg 2a, Halle (Saale)

Bauherr/in
Barbara Limpert und Thomas Dietzsch, Halle (Saale)

Architekten
Barbara Limpert, Freie Architektin, Halle (Saale)

Preise
Architekturpreis des Landes Sachsen-Anhalt 2016, Engere Wahl

Fertigstellung
2013